Karrusel der Möglichkeiten
Das Saxofon-Quintett Sax in the City spielte vielseitig im KulturForum in Kiel
Von Jörg Meyer, Kieler Nachrichten, Sonnabend 29. Oktober 2005.
Kiel – Im KulturForum geben Sax in the City bereits mit dem ersten Stück vor, auf welchen Pfaden sie ihre Saxofone aller Stimmlagen, Klarinetten, Flöten und auch manche Percussion wandern lassen.
Dunkle Bühne und das einsame Sopransaxofon von Hanne Rømer. Ein Motiv, das sich bald kanonisch vervielfacht, wenn einer nach dem anderen – Andreas Burchardt, Anselm Simon, Jonny Möller und Edgar Herzog – einstimmen in ein nun fünfstimmiges Fugato, das aus der Grübelei mehr und mehr in den Groove wechselt. (Foto)
Man wandert auf unausgetretenen Wegen zwischen Jazz und neu arrangierter Klassik. Und auch mal Richtung Minimal Music vom Schlage Michael Nyman wie in Andreas Burckhardts „Heaven Waits“ oder „Night in the City“. Minimotive schichtet Burckhardt zu mantrischen Loops, ein flirrender Klangteppich, auf dem sich Solisten improvisierend ausbreiten können. Ein wenig akademisch-experimentell klingt das zuweilen, umso grooviger kurbelt die heitere Spielfreude fünf in Hanne Rømer’s „Le Carroussel“. Wie der Titel schon sagt, darf man sich zu solchem an der Bigband-Arrangements geschultem Swing innerlich mitdrehen.
Um gleich wieder ins Grübeln zu geraten. Schon Hans Leo Hasslers Choral „Wie soll ich dich empfangen“ hatte Hanne Rømer zu einer balladesken Elegie verdichtet, einem dunklen Orgelpunkt der tiefen Saxofone, über der Sopran die Melodie vorsichtig ertastet. Mir der Sax in the City-Version des Jazz-Standards “Come Rain or come Shine“ wird man noch spartanischer: gehauchte Bassklarinette, allerlei Rasselpercussion und wie nackt darüber Rømers Scat-Gesang. Ein Standard so zu sagen „stripped to the ground“ und so mir sehr eigenwillig. Nicht anders Burckhardts Experiment mit äolsharfenden Windrohren.
Aber Sax in the City können immer wieder auch noch anders. Wenn Edgar Herzog zum Notenschrift greift, regiert der „Westside Blues“ so sharfkantig, aggressiv, holzschnittig, dass ihm die coolen, boppenden Gefilde des Jazz näher liegen als die Wärme des Blues. In Para Paquito aus selbiger Feder dagegen beschwingter Latin-Jazz mit Copacabana-Allusionen.
Einordnen kann man all das nicht so recht. Und das ist Sax in the Citys Stärke, dass sie die Stile und Genres, Tradition und Moderne so nachhaltig durchmischen, das statt Cross das Over herauskommt. Eine Saxofonmusik, die sich auf allen Feldern und weit ab davon gleichermaßen sicher bewegt. Grübeln und Groove – hier sind das keine Gegensätze, sondern nur zwei Seiten einer „saxy“ Medaille.