My blue Corner Ballads

 

                   
    My blue Corner Ballads - so habe ich das Konzept genannt, mit dem ich die nächsten 4-5 Jahre auftreten will. Der Ausdruck findet sich in einem Artikel von Gene Lees in dem Buch „The Singer and the Song" und umschreibt die Stimmung vieler Songs des Standardjazzrepertoires. Diese Songs, die von „schwarzer" Blues-Musik geprägt sind und von „blauen" Gefühlen erzählen: Vom Gefühl des Verlustes und der Verzweiflung, weil die geliebte Person nicht mehr da ist, oder vom Gefühl der Einsamkeit, weil man spürt, dass man irgendwie von der Gemeinschaft ausgeschlossen ist. Vielleicht hat man die falsche Hautfarbe oder Religion oder es ist wegen der Körpergröße, des Geschlechts …

Aber durch das Hören, Erleben und oder auch das eigene Singen entsteht ein bisschen Hoffnung, ein Licht am Ende des Tunnels. Man beginnt, die Dinge in einer anderen Perspektive zu sehen und schöpft neuen Mut, um weiter zu kommen.

 

 


 



 

Blue Corner ist aber auch mein Phantasie-Café. Das Lieblingscafé oder die Kneipe um die Ecke, wo sich die Mensche aus der Umgebung zu einer Tasse Kaffee oder einem Bierchen nach Feierabend treffen, um über den Bürgermeister und seine letzten Fehler zu diskutieren, den neuesten Klatsch über Annie und ihren neuen Freund zu hören, du weißt schon, die hübsche Tochter vom Gemüsehändler.

Oder – was macht nur die ältere Dame aus der Bibliothek mit all´ dem Geld, das sie im Lotto gewonnen hat? Haben Sie schon gehört, dass Müllers sich nach 35 Ehejahren scheiden lassen? Die Nachbarn bekommen ein Baby, da wird sich aber auch einiges ändern. Und dann ist da noch der Lehrer, der seine Arbeit gekündigt hat, um an dem Tauchkurs in der Karibik teilzunehmen … Aber einige Abende kommt auch eine Band für einen Auftritt vorbei. Man lauscht gemeinsam der Musik und verliert sich in Melodien und Rhythmen. Und vielleicht bittet ja auch der eine oder andere Nachbar um einen Tanz und man kommt sich etwas näher…

Blue Corner ist überall: In Sydney, Schleswig oder Sønderborg. Dort geht es exotisch, aber auch ganz normal zu. Es gibt eins gerade die Straße hinunter, aber ich bin mit den Jahren in vielen Blue-Corner-Cafés aufgetreten, jedes individuell gestaltet und besonders. Dort machen Musiker das, was sie am besten können: lebendig und mit der Sprache der Musik Geschichten erzählen.